i hate you.

Eben bin ich meinem Hass-Nachbarn begegnet. Der Hass hat eine lange Tradition. Meine Kindheit spielte sich zu großen Teilen vor seinem Haus ab, dort liegt nämlich der “Dorfgemeinschaftsplatz” (sowas braucht ein Dorf wenn es sich wirklich ernsthaft für den “Dorf des Jahres”-Preis bewerben möchte). Es ist ein schöner Platz und wir haben ihn lebendig gemacht. Das war gut. Aber dieser Nachbar war der Feind. Hat uns immer angemacht, weil er kein Leben hatte und Kinder hasste. Irgendwann war unsere Kindheit dann vorbei. Und der Nachbar wurde richtig krank. Keiner wusste was er hat, nur, dass es ernst war. Ich vergaß ihn.
Bis ich ihn heute wieder traf. Vor seinem Haus. Es scheint ihm besser zu gehen. Er ist immer noch eine Bitch.
Ich registrierte ihn schon von weitem und legte mir einen aufrichtigen, ernst gemeinten Gruß zu Recht. Ich sah ihn an während ich auf ihn zuging, bereit für meine netten Worte. Ich sah ihn an während ich direkt an ihm vorbei ging, doch er blickte nur demonstrativ auf den zugefrorenen Boden. Das Geräusch des zerberstenden Eises unter unseren Füßen zerschnitt die Stille und war gleichzeitig das Geräusch meiner explodierenden Verachtung. Ich sah ihn nicht mehr an während ich lautlos “FUCKKKK YOU” schrie. Nach dieser Begegnung stürzte ich in ein Gedankenmeer aus peitschenden Wellen des Hasses. Ich hasse alle Menschen, die so sind wie mein Nachbar. So ignorant, so kleingeistig und unfreundlich. Solche Menschen sind das Problem. Menschen, die sich in den Stadtrat wählen lassen, um durchzusetzen, dass auf einem Steinbolz- und Basketballplatz nur bis 17 Uhr gespielt werden darf und am Wochenende gar nicht. Menschen, wie den “Gray Ghost”, die bunte Graffitis grau übermalen, egal wo, weil sie meinen Graffitis tragen zu Kriminalität bei (zum Glück gibt es Banksy). Menschen, die kulturprägende Orte wie den Tresor oder jetzt den Mauerpark durch immer gleiche Büro-, Wohn- und Shoppinggebäude zerstören. Menschen, die ihre Einfahrten mit Bändern absperren damit keiner ein paar Meter ihres Grundstücks zum Wenden nutzen kann. Menschen, die bei MC-Donalds eine BILD dazu bestellen. Maaan, ihr habt nicht verstanden worum es geht. Hört auf eure Armseligkeit mit Unfreundlichkeit zu kaschieren. Hört auf anderen Dinge zu nehmen, weil ihr neidisch seid, dass ihr sie nicht begreift. Fuck you.
(ich bin jetzt sehr ausgeglichen)

Disclaimer: Um meine Street Credibility zu schützen, ich bin kein DORFKIND.

4 Antworten zu “i hate you.”

  1. S sagt:

    Das sind genau die Menschen, die dafür sorgen, dass Typen nicht mehr mit Kindern reden dürfen, weil man sie sonst für pädophil halten könnte. Ohne Scheiss.

    .. but then again: ich würde die meisten Leute aus purer Verachtung auch nicht Grüßen. You have to start in your own place, I guess.

  2. seco sagt:

    sehr treffend! sehr gut! :)

    Übrigens auch Leute, die am frühen Abend routinemäßig wegen “Partylärm” Nichts die Polizei rufen, anstatt selbst kurz Bescheid zu sagen…

  3. nico sagt:

    Ihr seid sooo gut. Das sind genau die Menschen, die ich meine.

  4. Ziti sagt:

    …genau solche Menschen, die deine wunderschönen Kunstwerke (Straßenmalkreide auf Pflasterstein) noch am selben Tag mit einem Eimer Wasser und einem Schrubber wegwischen, weil sie es nicht ertragen können, dass die grauen Gehwege etwas an Farbe abbekommen. Was hab ich an diesem Tag geweint…

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