avatar. ohne spoiler.

Alles an diesem Film ist gigantisch. Sein Budget, angeblich 500 Millionen Dollar. Seine Entstehungszeit, 15 Jahre. Seine Vision, die Grenzen des Kinos neu zu definieren. Und auch der Preis der Kinokarte, 12,50 Euro.
Unter solchen Umständen darf man nicht nur darauf hoffen, dass das Kino einen endlich mal wieder überwältigt, man muss es voraussetzen. Vor allem wenn der Regisseur mit dem Gigantischen schon seine Erfahrungen gemacht hat. James Cameron hat mit Titanic den erfolgreichsten Film aller Zeiten gedreht. 12 Oscars, 1,8 Milliarden Dollar eingespielt, gigantisch eben. Terminator (1 und 2) fällt in die Kategorie zeitloser Klassiker. Auch Alien – die Rückkehr darf getrost als herausragend bezeichnet werden. Und jetzt Avatar. 3D-Sci-Fi-Action.

3D, das wohl spannendste am ganzen Film. Die Hoffnung einer ganzen Branche, die Hoffnung das Kino endlich wieder zu etwas besonderen machen zu können, ein Ort an dem man Filme noch erlebt und Emotionen verspürt werden, die ein Laptop mit einem leicht verpixelten Bild eben nicht transportieren kann. Cameron ist demnach Pionier und Hoffnungsträger, hat für Avatar extra ein neues Aufnahmeverfahren entwickeln lassen und ist auch im Motion-Capturing-Bereich neue Wege gegangen. Und ja, Avatar hat optisch das Tor zu einer neuen Dimension aufgestoßen. Noch nie waren Effekte so unaufdringlich und Animation so real, so sauber, so makellos. Der Planet Pandora ist eine wunderbar fantastische Welt, die man am besten mit den Worten Katja Nicodemus aus der Zeit beschreibt:”Es ist als hätte Cameron die Schöpfungsgeschichte nochmal auf LSD geschrieben”. Wenn nachts der Wald in Neon-Farben erleuchtet, insektenartige Quallen durch die Luft schweben und Eichhörnchen-Vögel-Whatevers mit einem plötzlich aufpoppendem, rot strahlenden Propeller durch die Gegend flashen, dann möchte man sich in dieser Welt auf einen Ast setzen und eine von den schönen Pflanzen essen. Oder rauchen. Und auch die NaVi, die Ureinwohner, blau, 3 Meter groß und mit einem fashionablen Sinn für Neon-Farben, sehen wunderbar ästhetisch aus wenn sie durch die Bäume springen oder eine von ihren spirituell-weggetretenen Performances aufführen. Was also diese Ebene angeht, das Visuelle, das Eintauchen in diese Welt, ist dieser Film überragend. Ein Meisterwerk, das Maßstäbe setzt. Wie viel Einfluss 3D auf diesen Eindruck hat, lässt sich vermutlich nur herausfinden wenn man ihn sich nochmals in der normalen Version ansieht. Thesen will ich hierzu keine aufstellen.

Die Handlung, ohne hier irgendwas zu verraten, ist vorhersehbar und driftet oft ins Kitschige ab. Die Charakterzeichnung ist klischeeverseucht, und dramaturgisch verhält sich Avatar wie jeder beliebige 0815-Streifen. Und das ist wirklich schade. Denn obwohl diese Schwächen mich während des Guckens nicht aus der andauernden Begeisterung reißen konnten, denke ich im Nachhinein einfach nur: “Warum denn so simpel?”. Ich muss aber gestehen, dass Avatar der erste Film ist, bei dem ich wirklich soweit gegangen bin die Handlung für die Effekte zu ignorieren und daran Spaß zu haben. Stellte ich mich einst, von der Überlegenheit des Autorenfilms überzeugt, überheblich und pseudo-intellektuell, über diejenigen die von Transformers “wegen der Effekte” begeistert waren, muss ich heute sagen: Guckt Avatar wegen dieser unbeschreiblich überragenden Effekte. Und nur deswegen.

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