mein problem mit kaws.

Diese Modestrecke aus der November Ausgabe der französischen Vogue crasht zur Zeit die Blogs. Fotografiert von Mario Sorrenti und veredelt durch die Kunst vom allseits beliebten und abgefeierten KAWS. (Das stilistische Mittel des Durchstreichens ist eine wunderbare Errungenschaft der Bloggersphäre, viele besser als sinnlose “Gänsefüßchen”.) Sie ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen weil sie so gut ist und zum anderen wegen KAWS. Ich beobachte die Arbeit des 35-jährigen Amerikaners jetzt schon länger und muss sagen, dass er leider das beste Beispiel dafür ist wie der Kommerz die Kunst entzaubert. Kaws comichafte Figuren begegnen einem eigentlich nur noch als Layout in Hochglanzmagazinen, auf Klamotten (sei es seine eigene Marke OriginlaFake oder andere premium labels) und sogar auf Rucksäcken. Es scheint als ob er alles macht was irgendwie Kohle bringt. So ein Ausverkauf hat nichts mehr mit Kunst zu tun. Und deshalb finde ich es lächerlich, dass er überall immer noch dieses Etikett des jungen, frischen Künstlers angehängt bekommt. Irgendwo muss man doch die Linie ziehen. Kaws ist ein sehr guter Illustrator und Designer, der manchmal eine Ausstellung hat und kein Künstler, der manchmal eine kommerzielle Kollaboration macht. Aber das ist eines der Probleme dieser Hipster-Generation, zu der ich ja auch gehör, dass sie Kunst nicht in einem großen Zusammenhang betrachtet, sondern nur noch auf die visuellen Aspekte und den Freshness-Charakter reduziert. Kunst muss sich in den lifestyle einreihen. Dabei kann man doch beides losgelöst voneinander genießen. So wie diese Fotos. Wieso muss man KAWS Beitrag hierbei hervorheben und als Kunst titulieren? Das will mir einfach nicht einleuchten. Ebenfalls kritisch bin ich gegenüber dem Versuch von Marken und Labels sich in die Nähe jugendlicher Subkulturen wie Graffiti oder Skateboarding zu drängen und sich damit zu schmücken. Meistens geht es auch einfach nur schief, hat nichts mehr mit dem ganzen zu tun, ist einfach nicht authentisch. Doch hier ist es anders. Es fügt sich alles wunderbar zusammen. Haute Couture und urbanes Umfeld kontrastieren nicht, sondern ergeben eine tolle Komposition aus Form und Farbe.

v
v
v
v
v
v
v
v
v
v

7 Antworten zu “mein problem mit kaws.”

  1. S sagt:

    Hmm.. ich bin immer sooo zwiegespalten in Anbetracht dieser Kommerz-Kunst-Diskussion… ist das wirklich so ein Ausverkauf, oder ist das einfach eine ganz natürliche Entwicklung? So subkulturig sind Graffiti und Skateboard und sonstwas nämlich nicht mehr… die Generation, die diese Sachen erst richtig populär gemacht hat, bestimmt nunmal auch Haute Couture, H&M und alles, was sich verkaufen lässt. Vielleicht ist es daher einfach nur normal, dass es auf einmal zur Tapete für ganz andere Zwecke wird. Keine Sorge- unsere Jugend wird auch weitere Subkulturen “erbauen”. Das haben wir schon immer.

    Und Kunst ist nunmal auch ein lukratives Geschäft, das darf man nicht vergessen. Ich finde es schade, dass man sich von solchen Äußerlichkeiten blenden lässt. Was schön ist, ist schön- ob es sich nun für ein paar Mille oder für ein paar Groschen verkaufen lässt.

  2. arealfake sagt:

    Kaws wurde für mich schon seit 2 Jahren uninteressant geworden, aus genau diesen Gründen, die du nennst. Dabei geht es nicht um die Tatsache das er viel Geld mit seinen Designs verdient sondern wie er es tut.

    Man kann es ihm zwar nicht verdenken da jeder gerne viel Geld verdient aber er brauch sich nicht zu wundern das ihn einige einfach nur noch als einen Designer von vielen sehen. Was ihm wahrscheinlich am Allerwertesten vorbei geht.

    Von Kunst kann man da schon lange nicht mehr sprechen. Nein, Sellout ist genau die richtige Bezeichnung.

    Da lobe ich mir Insa, der zwar auch kommerzielle Kollaborationen eingeht und trotzdem noch mit einem Künstlerherz ausgestattet ist. Die Frage ist aber auch bei ihm wie lange das noch so bleibt.

  3. arealfake sagt:

    sorry für den unmöglichen ersten Satz ;) man sollte erst lesen was man geschrieben hat bevor man auf send klickt.

  4. nico sagt:

    @Sara
    Ich sage auch nicht, dass Arbeiten an Schönheit verlieren nur weil sie kommerziell sind. Ich genieße gutes Design und durchgestylte Magazine genauso wie gute Kunst. Allerdings setze ich bei Beidem verschiedene Maßstäbe an. Kunst muss für mich frei und unabhängig sein, sie brauch nur sich selbst genügen und kann sein was sie will. Schön, hässlich, kritisch, naiv. Sobald sie aber in einen kommerziellen Kontext tritt, ordnet sie sich ja zwingend unter. Einer Marke, einem Produkt, sie reduziert sich dann selber auf ihre Schönheit. Und irgendwann verliert sie dann die Eigenschaften, die Kunst ausmachen. Es gibt so viele gute Grafiker und Illustratoren, die genauso arbeiten wie KAWS, aber deren Arbeiten kommen eben nicht im edlen Mantel der Kunst daher, kriegen soviel Aufmerksamkeit und besitzen eine solche Strahlkraft. Über die Eigenarten des Kunstmarktes muss man natürlich genauso intensiv diskutieren, da hast du Recht, aber irgendwie ist das noch ein ganz eigenes Thema. Ebenfalls richtig ist dein Einwurf, dass die Vertreter der angesprochenen Subkulturen schon längst in dem ganzen Zirkus mitmischen. Umso erstaunlicher finde ich dann aber (und das ist auch was ich Post ausdrücken wollte), dass es den Marken nur selten gelingt das Ganze wirklich zu erfassen. Mir kommt es meist so vor als adaptierten sie nur den Phänotyp jener Kulturen, nicht aber das was diese ausmacht, nämlich den Geist, die Attitüden, etc.
    ach, ein tolles Thema! Schön, dass du bei mir kommentiert hast. Hoher Besuch ist immer schön ;)

  5. S sagt:

    Hoher Besuch? Als ich deinen Blog gesehen habe wollte ich hinschmeissen und sterben gehen, weil alle wichtigen Missionen schon erfüllt wurden ;)

    Zur Diskussion: Wahrscheinlich hast du da recht, kommerzieller Kunst sollten andere Maßstäbe angerechnet werden. Allerdings finde ich meist auch schwierig, die Grenze zwischen kommerziell und nicht kommerziell zu ziehen. Ein Kunstwerk, dass ohne jegliche Intention der Kommerzialisierung erschaffen wurde, welches dann aber doch verkauft wird, ist für mich im Prinzip keine “kommerzielle Kunst”, oder? Dieses Argument würde ja demnach nur für Auftragsarbeiten (wie in denen von KAWS) gelten, wenn ich das richtig verstanden habe. An dieser Stelle möchte ich überhaupt nicht beurteilen, ob das, was er oder Künstler seiner Art machen oder gemacht haben schön ist oder sich verkaufen lässt oder whatever; aber wenn ich weiß, dass es sich um eine Auftragsarbeit handelt, dann sehe ich es in erster Linie eigentlich nur noch als WErbung und nicht als Kunst.

    Ohje, schon wieder zu viel geschrieben.. hoffentlich hat das auch Sinn gemacht :D

  6. hannah sagt:

    schöne bilder :)

  7. [...] möchte an meinen Artikel über Kaws anknüpfen und über einen weiteren Künstler schreiben zu dem ich in einem sehr ambivalenten [...]

Hinterlasse eine Antwort