Archiv für Februar 2010

die taube.

Dienstag, 23. Februar 2010

Eine Taube irrt durch den Dreck. Ein riesiger Haufen Schneematsch, von Abgasen schwarz gefärbt, von Streusalz zersetzt, aufgeweichte Fetzen von roten China-Böllern, sich auflösende Kippenstengel und Hundescheiße. An sich kaum Nährbares. Trotzdem pickt die Taube im 10 Sekunden Rhythmus darin herum. Was findet sie?
Vielleicht sind vom Bäcker auf der anderen Straßenseite Brotkrümel herüber geweht? Oder ein Vorbeihetzender hat was von seinem Döner verloren als er diesen hastig herunter schlang? Eventuell Reste eines Apfels oder das Schulbrot, das nicht geschmeckt hat?

Oder sie hat sich längst damit abgefunden einfach Dreck zu fressen.

radiohead. immer wieder.

Freitag, 19. Februar 2010

Ich bin der nächste Act, der hinter den Kulissen wartet
Ich bin ein Tier, in deinem heißen Auto eingeschlossen
Ich bin all die Tage, die du beschliesst zu ignorieren
Ich bin eine Motte, die nur dein Licht teilen will
Ich bin ein Insekt, das versucht der Nacht zu entfliehen

Du bist alles was ich brauche.

(Dies ist nicht das offizielle Video, sondern ein Zusammenschnitt aus Szenen aus dem Film “Mikrokosmos”.)

yeasayer.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Als ich das Video vor einiger Zeit sah, hat es mich irgendwie genervt. Und deshalb habe ich den Track auch ignoriert. Jetzt finde ich beides fresh. GUCK MICH NICHT SO AN, weiß ja auch nicht wieso. Yeasayer kommen aus NY und das aktuelle Album heißt “Odd Blood”. Nur das Cover ist schlecht.

antwort.

Donnerstag, 18. Februar 2010

1

Stell dir eine Wüste vor. Nur Sand. Endlos. Und dann stell dir vor, dass es in dieser Wüste regnet. Einen ganzen Monat. Aber es regnet kein Wasser, sondern Nougat-Creme. Und jetzt versuch dir diese braune Masse vor Augen zu führen, die entsteht wenn sich der Nougat-Regen mit dem endlosen Sand vermischt. So fühlt sich die verklebte Trockenheit in meinem Mund an. Ich hätte dieses Zeug nicht essen sollen. Schokolade ist eine Droge und das ist jetzt die Überdosis.
Die rettende Flasche Wasser steht neben dem Bett. Aber ich müsste sie wecken, um mich zu retten. Ich sehe sie an. Ihr Atem ist ein angenehm kühler Wind in meiner Wüste. Ich denke, dass sich wirkliche Schönheit erst offenbart wenn der Schlaf dem Gesicht die kontrollierenden, maskenhaften Züge der Mimik entzieht. Nur leises, rhythmisches Atmen.
Dann wacht sie auf, sieht mich an und will mich küssen. „Ich will dich da wirklich nicht mit reinziehen“, sage ich und klettere über sie, um alles einfach hinwegzuspülen. In diesem Moment ist diese Flasche Wasser meine Antwort. Auf alles.
Mit großen Schlücken verschwindet die Antwort in den Tiefen meines Körpers und ich finde es deprimierend, dass ich sie in einigen Stunden unter größter Erleichterung wieder auspissen werde. Ich klettere wieder ins Bett und sehne mich zurück in die Wüste. Nur wegen des Gefühls die Antwort zu kennen.

/restrealität/

schwermütige synthies.

Montag, 15. Februar 2010

Vorhin hat mich Meierrr per Tweet auf die Seite der Bloodgroup gestoßen. Ich hörte mich um und wusste ziemlich schnell, dass ich das Debüt Dry Land brauchte. Die Bloodgroup kommt aus Island und bekräftigt einmal mehr, dass im skandinavischen Raume besonders gelungen elektronische Noten aneinander gekettet werden. The Knife, Röyksopp, Trentemöller, in der Bloodgroup steckt von allen ein bisschen. Unkomplizierter Elektro-Pop mit melancholischen Gesang, der einen Hauch der oft zitierten isländischen Schwermütigkeit durch die Boxen presst. Und das mein ich wirklich positiv.
Ich war mir nicht sicher welchen Track ich hier präsentieren soll, um die Bloodgroup angemessen zu charakterisieren. Habe mich dann einfach für how do we know entschieden.

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Freitag, 12. Februar 2010

1
Ein neuer Tag. Der Schnee fällt. Millionen sterben und Alexander McQueen auch. Bestürzung vielerorts. Wieso bringt sich ein Mensch um, der gemessen an den Werten unserer Gesellschaft alles hatte? Geld, Ruhm, Selbstverwirklichung, kreative Freiheit. Die Unbegreiflichkeit des Todes umhüllt uns für die 50-70 Zeilen der Nachrufe.

Ein neuer Tag. Der Schnee fällt. Millionen sterben. Doch die Unbegreiflichkeit des Todes bleibt uns fern.
Bis zum nächsten Nachruf.

wenn es so einfach wäre, wärst du nicht so scheisse.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Jemand prügelt exzessiv aber rhythmisch auf eine drum-machine ein. Mein Herzschlag. Ich liege, lausche und nehme noch einen Schluck Kaffee. Ich denke: “Oh boy, Herz, du bist ja voll drauf. Das ist doch nur Koffein”. Es drummt hemmungslos weiter. Ich interpretiere das als Warnung. “Gib dich nicht soviel mit Mifti ab.” Zwangsweise kommt also das ganze Thema auf und schafft es auch hier in den Blog. Hand in Hand mit der Frage was für ein Charakter ich wohl in der Welt von Axolotl Roadkill wäre. Ein langweiliger wahrscheinlich. Wenn Koffein mich schon platt macht. Zweifelsohne langweilig. Mifti ist die Protagonistin des Buches, das seit Wochen sowohl die Feuilletons als auch die hashtags dominiert. Erst weil es alle so gut fanden und jetzt weil keiner mehr weiß ob er es gut finden kann. (wenn du diesen Link anklickst weil du nicht weisst worum es geht, ist mein blog ganz offensichtlich das Einzige was du liest und ich liebe dich). Ich will weder eine Debatte über die Legitimität irgendeiner herbei gedichteten Remix-Kultur führen, noch das Abschreiben von Helene Hegemann verteidigen. Intertextualität bedeutet sicher nicht, dass man manche Zitatgeber nennt und andere nicht. Sie hat Scheisse gebaut. Aber ES IST EIN GUTES BUCH. Ja. Ich lese es wahnsinnig gerne. Es bringt mich zum Lachen, es ekelt mich, es lässt mich rätseln, es gibt Antworten. Und selbst der bestohlene Airen sieht das so. Es ist einfach nur ignorant und engstirnig Axolotl Roadkill jetzt ALLES abzusprechen. Diese ganzen neidgeschwängerten Texte, die sich überhaupt nicht um das Buch drehen, sondern nur darum, dass man dem Hype ja schon Anfangs nicht getraut hätte und bla. FUCKIN BLA. Was ich in diesem Post eigentlich sagen wollte, weiß ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich einfach nur, dass nicht immer alles so einfach ist. Man kann ja auch die Autorin scheisse finden und das Werk anerkennen. Ich muss jetzt los, Basketball, und ich hab Angst, weil ich nicht weiß was nach der drum-machine kommt.

die reste.

Montag, 08. Februar 2010

Wie die Nacht. Wie dein Haar. Wie die Wimperntusche, die dir in deinen Tränen gelöst die Wange herunter läuft. Wie das “fuck you”, das mit Edding in die Bahn gekritzelt ist. Wie das Cover deines Lieblingsalbums. Wie das Innere der Banane. Wie mein Handschuh, den ich hätte ausziehen sollen als ich dir übers Gesicht strich. Wie der Stift mit dem ich diese Zeilen schreibe. Wie die Asche an unserem Joint. Wie der Himmel auf dem unsere Sterne leuchteten. Wie das Glas Whiskey-Cola, das du mir ins Gesicht schüttest. Wie deine Leggings mit der Laufmasche. Wie die Ungewissheit was ist, was war, was sein wird.
Alles schwarz.

Dies ist Restrealität. Eine Kategorie, die ich von meinen lieben Freunden S&B geklaut habe. Mit deren Segen. Die Restrealität ist alles und nichts. Fiktion und Realität. Wahrheit und Lüge. Hässlich und schön. Liebe und Hass.

don’t you compare me ’cause there ain’t nobody near me. they don’t see me, but they hear me. they don’t feel me, but they fear me.

Montag, 08. Februar 2010

Unfreiwillig lange Pause. Nehmen wir den Wochenanfang zum Anlass hier wieder ein bisschen Leben reinzubringen.
“Tha Carter Documentary”, die Doku über Lil Wayne, von der Kritik gefeiert, ist endlich bei youtube aufgetaucht. In toller Qualität.
Man muss keine besondere Affinität zu HipHop haben, um ihr etwas abzugewinnen. Denn es geht um mehr als Beats und Autotune. Man sieht wie sich ein Mensch in seinem Erfolg, in seiner Popularität verliert, die Realität in einem lila Gesöff ertränkt, in seine eigene Welt einzieht und sich dann da zum König krönt. Ein Stück Zeitgeist, ein Stück Popkultur. Sehenswert.

Part 1 von 8.