Archiv für die Kategorie ‘la société est malade’

der zustand der welt.

Freitag, 16. April 2010

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denk an deine ziele. in der eisdiele. lan.

Donnerstag, 15. April 2010

berlin-hannover.

Dienstag, 30. März 2010

Derselbe Beat. In billiges Plexiglas geritzte Tags. Der Wunsch in dieser Welt eine Spur zu hinterlassen, seinen Namen ins Gedächtnis gelangweilter Zugfahrer zu brennen. “Rush”, jetzt bist du in diesem Text. Erst auf Papier, dann digital, gescannt von Suchmaschienenbots, gespiegelt von Newsaggregatoren. Reproduktion. Beachtung. Kunst. Beatbreak. Vielleicht auch einfach nicht.

Eine Frau, Mitte sechzig, rot-braun gefärbte Kurzhaarfrisur, knall roter Anorak, verachtend-frustrierter Blick trotzt der Zeit und ihrem Alter indem sie den ihr angebotenen Sitzplatz verneint. Sie überlässt ihm einen jungen Brillenträger, der aussieht als könnte er es nicht abwarten endlich fünfundfünfzig zu sein. Er ist angezogen wie mein Opa oder wie sein Chef. Wie sein Chef, der ihn an diesem Montag stundenlang durchs Büro gejagt hat und wegen dem er dieses emotionslose Outfit trägt. Grau auf schwarz auf weiß auf Angepasstheit. Und er braucht diesen Sitzplatz auch ziemlich dringend weil er so fertig ist, dass er nur noch schafft irgendein Alibi-Buch auf seinem Schoß aufzuklappen bevor er vollkommen erleichtert in einen 10-minütigen Schlaf verfällt indem er von irgendeiner Sache träumt, die seinem Leben einen Sinn geben könnte. Zuhause macht er sich Spaghetti Miracoli. Er bügelt vor dem Schlafen gehen noch schnell seine andere schwarze Hose. Das Hemd kann er ruhig nochmal anziehen. Wenn er 50 ist wird er bestimmt auch endlich eine S-Klasse fahren. Nur noch 25 Jahre kein Leben. Er macht wohl was falsch.
Schwarze Strumpfhose, weißer Trenchcoat und bunter Blümchenschal. Sie macht auch irgendwas falsch.
Menschen quetschen sich durch Türen. Sehen aus wie Dilettanten in einer Kunst, die sie nicht verstehen.
Die Sonne spiegelt sich im vorbeirauschenden See, genauso wie die grauen Plattenbauten.

Einer der Dilettanten sitzt zwischen sein Gepäck geklemmt neben der Tür und versperrt den Weg. Er strapaziert Nerven und scheint zufrieden dabei. Er trägt eine lächerlich kindliche Mütze. Hin und wieder blickt er arrogant durch seine rot-blau-unterlaufende Augen durch das Abteil und lächelt, wobei eine beachtliche Zahnlücke zum Vorschein kommt. Kann er sich keine Zahnspange leisten? Ab und zu nickt er energisch mit dem Kopf und bewegt seine Hand komisch-abgespackt. Es könnte ein Zusammenhang zu seinen weißen Kopfhörern bestehen. Immer wieder kritzelt er in seinem Block herum. Er schreibt: Reflektiere oder werde reflektiert.

Noch zwei Stunden und zweimal umsteigen.

die taube.

Dienstag, 23. Februar 2010

Eine Taube irrt durch den Dreck. Ein riesiger Haufen Schneematsch, von Abgasen schwarz gefärbt, von Streusalz zersetzt, aufgeweichte Fetzen von roten China-Böllern, sich auflösende Kippenstengel und Hundescheiße. An sich kaum Nährbares. Trotzdem pickt die Taube im 10 Sekunden Rhythmus darin herum. Was findet sie?
Vielleicht sind vom Bäcker auf der anderen Straßenseite Brotkrümel herüber geweht? Oder ein Vorbeihetzender hat was von seinem Döner verloren als er diesen hastig herunter schlang? Eventuell Reste eines Apfels oder das Schulbrot, das nicht geschmeckt hat?

Oder sie hat sich längst damit abgefunden einfach Dreck zu fressen.

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Freitag, 12. Februar 2010

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Ein neuer Tag. Der Schnee fällt. Millionen sterben und Alexander McQueen auch. Bestürzung vielerorts. Wieso bringt sich ein Mensch um, der gemessen an den Werten unserer Gesellschaft alles hatte? Geld, Ruhm, Selbstverwirklichung, kreative Freiheit. Die Unbegreiflichkeit des Todes umhüllt uns für die 50-70 Zeilen der Nachrufe.

Ein neuer Tag. Der Schnee fällt. Millionen sterben. Doch die Unbegreiflichkeit des Todes bleibt uns fern.
Bis zum nächsten Nachruf.

wenn es so einfach wäre, wärst du nicht so scheisse.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Jemand prügelt exzessiv aber rhythmisch auf eine drum-machine ein. Mein Herzschlag. Ich liege, lausche und nehme noch einen Schluck Kaffee. Ich denke: “Oh boy, Herz, du bist ja voll drauf. Das ist doch nur Koffein”. Es drummt hemmungslos weiter. Ich interpretiere das als Warnung. “Gib dich nicht soviel mit Mifti ab.” Zwangsweise kommt also das ganze Thema auf und schafft es auch hier in den Blog. Hand in Hand mit der Frage was für ein Charakter ich wohl in der Welt von Axolotl Roadkill wäre. Ein langweiliger wahrscheinlich. Wenn Koffein mich schon platt macht. Zweifelsohne langweilig. Mifti ist die Protagonistin des Buches, das seit Wochen sowohl die Feuilletons als auch die hashtags dominiert. Erst weil es alle so gut fanden und jetzt weil keiner mehr weiß ob er es gut finden kann. (wenn du diesen Link anklickst weil du nicht weisst worum es geht, ist mein blog ganz offensichtlich das Einzige was du liest und ich liebe dich). Ich will weder eine Debatte über die Legitimität irgendeiner herbei gedichteten Remix-Kultur führen, noch das Abschreiben von Helene Hegemann verteidigen. Intertextualität bedeutet sicher nicht, dass man manche Zitatgeber nennt und andere nicht. Sie hat Scheisse gebaut. Aber ES IST EIN GUTES BUCH. Ja. Ich lese es wahnsinnig gerne. Es bringt mich zum Lachen, es ekelt mich, es lässt mich rätseln, es gibt Antworten. Und selbst der bestohlene Airen sieht das so. Es ist einfach nur ignorant und engstirnig Axolotl Roadkill jetzt ALLES abzusprechen. Diese ganzen neidgeschwängerten Texte, die sich überhaupt nicht um das Buch drehen, sondern nur darum, dass man dem Hype ja schon Anfangs nicht getraut hätte und bla. FUCKIN BLA. Was ich in diesem Post eigentlich sagen wollte, weiß ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich einfach nur, dass nicht immer alles so einfach ist. Man kann ja auch die Autorin scheisse finden und das Werk anerkennen. Ich muss jetzt los, Basketball, und ich hab Angst, weil ich nicht weiß was nach der drum-machine kommt.

i hate you.

Samstag, 30. Januar 2010

Eben bin ich meinem Hass-Nachbarn begegnet. Der Hass hat eine lange Tradition. Meine Kindheit spielte sich zu großen Teilen vor seinem Haus ab, dort liegt nämlich der “Dorfgemeinschaftsplatz” (sowas braucht ein Dorf wenn es sich wirklich ernsthaft für den “Dorf des Jahres”-Preis bewerben möchte). Es ist ein schöner Platz und wir haben ihn lebendig gemacht. Das war gut. Aber dieser Nachbar war der Feind. Hat uns immer angemacht, weil er kein Leben hatte und Kinder hasste. Irgendwann war unsere Kindheit dann vorbei. Und der Nachbar wurde richtig krank. Keiner wusste was er hat, nur, dass es ernst war. Ich vergaß ihn.
Bis ich ihn heute wieder traf. Vor seinem Haus. Es scheint ihm besser zu gehen. Er ist immer noch eine Bitch.
Ich registrierte ihn schon von weitem und legte mir einen aufrichtigen, ernst gemeinten Gruß zu Recht. Ich sah ihn an während ich auf ihn zuging, bereit für meine netten Worte. Ich sah ihn an während ich direkt an ihm vorbei ging, doch er blickte nur demonstrativ auf den zugefrorenen Boden. Das Geräusch des zerberstenden Eises unter unseren Füßen zerschnitt die Stille und war gleichzeitig das Geräusch meiner explodierenden Verachtung. Ich sah ihn nicht mehr an während ich lautlos “FUCKKKK YOU” schrie. Nach dieser Begegnung stürzte ich in ein Gedankenmeer aus peitschenden Wellen des Hasses. Ich hasse alle Menschen, die so sind wie mein Nachbar. So ignorant, so kleingeistig und unfreundlich. Solche Menschen sind das Problem. Menschen, die sich in den Stadtrat wählen lassen, um durchzusetzen, dass auf einem Steinbolz- und Basketballplatz nur bis 17 Uhr gespielt werden darf und am Wochenende gar nicht. Menschen, wie den “Gray Ghost”, die bunte Graffitis grau übermalen, egal wo, weil sie meinen Graffitis tragen zu Kriminalität bei (zum Glück gibt es Banksy). Menschen, die kulturprägende Orte wie den Tresor oder jetzt den Mauerpark durch immer gleiche Büro-, Wohn- und Shoppinggebäude zerstören. Menschen, die ihre Einfahrten mit Bändern absperren damit keiner ein paar Meter ihres Grundstücks zum Wenden nutzen kann. Menschen, die bei MC-Donalds eine BILD dazu bestellen. Maaan, ihr habt nicht verstanden worum es geht. Hört auf eure Armseligkeit mit Unfreundlichkeit zu kaschieren. Hört auf anderen Dinge zu nehmen, weil ihr neidisch seid, dass ihr sie nicht begreift. Fuck you.
(ich bin jetzt sehr ausgeglichen)

Disclaimer: Um meine Street Credibility zu schützen, ich bin kein DORFKIND.

amsterdam-hannover.

Sonntag, 03. Januar 2010

Gedränge. Es riecht nach Urin und nach in Fett gemästeten, in einer kackfarbenen Sauce ersaufenden Pommes. Holländische Spezialität. Menschen sitzen auf dem Boden, sitzen im Dreck. Dreck unter den Schuhen. Dreck in den Köpfen. Der Beat knallt gegen die sich aufbauende Verachtung. Bekämpft sie, umschlingt sie, löst sie auf. Und sie isst immer noch Sauce, dazu Pommes und genießt. Ich sitze unbequem aber jetzt kann ich es ihr gönnen. Ein Gesicht spiegelt sich in der Unebenheit von billigem Plexiglas. Wird verzerrt, abstrahiert, zur fiesen Fratze und passend dazu verdunkelt sich auch der Beat wieder. Ich versichere mich, dass die Fratze zu einem dicken, harmlosen Jungen gehört. Ich glaub hier muss ich raus!?
Sie ist kalt und nass. Ihr Name ist Hilversum und sie bittet mich um 25 Minuten. Verspätungen können nerven wenn sie dir deine Zeit nehmen. Aber ist alles Einstellungssache. Wenn du gut drauf bist ist es geschenkte Zeit. Dann sitzt du in einem verdreckten Glaskasten, der vorgibt warm zu sein, in irgendeinem holländischen Kaff und denkst über die Dinge nach. Mit dem richtigen Soundtrack wird dann Wartezeit zu einer Reise durch die komplexen, bergigen, aber immer strahlenden Landschaften der Erkenntnis. Und ich genieße, dass es kalt ist, dass es nass ist, dass es dreckig ist, dass es REAL ist. Denn selbst die bunteste Fantasiewelt, der abgefahrenste Trip, die wildeste Abstraktion, ohne die graue Fassbarkeit der Realität wäre das alles bedeutungslos. Nach diesem Gedanken ist die Wartezeit vorbei und das Album auch. Ich dürste nach mehr Erkenntnis. Doch der neue Zug ist ganz warm, ganz clean, nur Hemdenträger und Automagazine. Das bringt mich vollkommen aus dem Konzept und die bergigen Landschaften der Erkenntnis verschwimmen zum hässlich-deprimierenden Muster des Sitzbezugs. Ich versuche gegenzusteuern und lege wieder was melancholisches auf. Ich brauch kein sinnlos parfümiertes Badesalz, ich fülle meine Wanne am liebsten mit Weltschmerz. Wenn schon deutsche Tugenden dann die der DD.
Mir schräg gegenüber sitzt einer, der aussieht wie Reinhold Messner. Was für ein Bullshit das ist, dass ich weiß wer Reinhold Messner ist. Ein verfickter Bergsteiger. Es ist mir so egal, dass er da hoch geklettert ist und das er den Zeh von seinem Bruder gegessen hat, oder was. I dont fuckin care. Das ist so Wissen, das ich überhaupt nicht will und von dem ich auch nicht weiß wo es herkommt. Hat er irgendwas entdeckt? Nein. Er ist diesen scheiss Berg nur hoch, verdammt, dafür sollen wir ihn jetzt feiern?

Dann war der Flash vorbei. Ich war nicht high, hatte nur nen Kaffee und noch vier Stunden Zugfahrt und 3mal Umsteigen vor mir.

träumer.

Samstag, 28. November 2009

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Wohin will ich? Wohin gehöre ich? Wohin lassen sie mich? Ich bin 20 und meine Zukunft liegt vor mir. Ganz nah. Ich spüre ihren Atem. Wenn ich den Blick nach vorne richte dann gucke ich ihr direkt ins Gesicht. Meistens lacht sie. Ausgelassen und einladend. Dann sieht sie aus wie eine Zukunft, die man sich wünscht. Aber manchmal schreit sie mich an. Lacht mich aus. Sagt: “Fick dich du verträumter Naivling”. Dann verprügelt Pessimismus Selbstwertgefühl. Optimismus will helfen, aber kriegt auch auf die Fresse. Dann stelle ich infrage was eben noch erstrebenswert erschien. Überdenke Ziele die ich eben noch klar formuliert habe. Dann beneide ich die Vielen dafür, dass sie so wenig vom Leben wollen. So wenig verlangen. “All i ever wanted was everything”. Lächerlich, aber so ist es. Realismus ist doch abgefuckt. Warum hat das Wort Träumer eine negative Konnotation? Wer träumt, der ist naiv, der ist dumm, der weiß nicht wie es läuft. “Tell me what you know about dreams, dreams?” und dann kriech zurück in den Arsch deines Chefs und red dir ein, dass es sich da ganz gut leben lässt.

Ich blicke nach vorn. Die Zukunft lacht wieder. Das hat gut geklappt.

chamäleons.

Donnerstag, 19. November 2009

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Zufällig auf ein altes Editorial der Vogue gestoßen. Ziemlich genial. Wir spielen ja eigentlich alle ab und zu Chamäleon. Hüllen uns in die Meinung, die gerade im Büro des Chefs oder Professors herumhängt. Oder in die Mode, die gerade um uns herum gehyped wird. Manchmal ist das Schutz, manchmal Opportunismus, aber eigentlich immer ist es lächerlich.