
Ich bin ein Cheeseburger auf dem dreckigen Boden der U1 um 4 Uhr nachts. Mein verbranntes Stück Fleisch ist nur nach eingängiger Betrachtung und mit viel Fantasie als solches zu identifizieren. Mein Käse ist nicht richtig zerlaufen, viel zu gelb, und hat eine Konsistenz wie hart gewordenes Flüssig-Silikon. Bei jeder Station werde ich weiter zermatscht und klebe am Ende der Nacht unter Hunderten Sohlen. Unter Doc Martens und Nikes. Unter New Balances und Common Projects. Irgendein in seiner Spiritualität Verhedderter latscht sogar barfuss in mich rein.-
Ich laufe durch den Supermarkt und suche nach dem Käse, den du so gerne magst. Ich gehe ganz langsam am Kühlregal vorbei, aus Angst deine Sorte zu übersehen. Es macht mich vollkommen fertig wie viel Käse dieser beschissene Supermarkt hat. Jede Ziege dieser Erde scheint hier mit einer eigenen Sorte vertreten. Das Regal wird länger und länger bis ich sein Ende nicht mehr sehen kann. Akribisch scanne ich jeden Zentimeter. Die Gerüche von französischem Ziegen- und mittel-kroatischem Rohmilchkäse umhüllen mein Zeitgefühl. Irgendwann weiß ich nicht mehr wie lange ich schon suche, wie weit ich schon gegangen bin. Ich gucke mich um und stehe in einem schmalen Tunnel. Klinisch-weiß beleuchtet. Ich sehe kein Ende und keinen Anfang, nur dieses Regal mit seinen Millionen Käsesorten. Ich suche weiter. Mein Rücken schmerzt, meine Finger sind blau angelaufen und gerade als mir das Ziel meiner Suche zu entgleiten scheint, sehe ich sie. Die Sorte. Die Erlösung. Ich greife nach ihr und stehe im nächsten Moment an der Kasse des Supermarktes. Auf dem Band liegen Bier und all die Zutaten für das Sandwich was ich mir noch machen wollte. Doch der Käse fehlt. Barrack Obama bittet mich um 25,60 Euro und fragt mich ob ich die Treue-Punkte möchte. Dann dreht er sich um und lacht Bush aus weil der schon wieder eine Stornierung verbockt hat. Plötzlich bin ich zuhause und blicke in deine nassen Augen. Der Käse sei das einzige gewesen, um das du mich gebeten hast. Nie würde ich deine Wünsche beachten. Ich sei ein Egoist. Ein Arschloch. Du sagst, dass du mich nicht mehr liebst. Du verlässt mich.-
Ich werde von mageren, aufrecht gehenden Chris-Cunningham-Gesichtigen Zebras in SS-Uniformen über ein Zuckerrüben-Feld gejagt. Ich laufe ohne voran zu kommen, ich schlage um mich aber meine Schläge haben überhaupt keine Kraft. Sie stecken mich in einen Raum und auf einmal bin ich von all meinen Sehnsüchten und Träumen umgeben. Ich sehe alles ganz klar, ganz nah, ganz erfüllbar und gebe mich der Illusion hin, dass jetzt alles gut ist. Ich vergesse die fiesen Fratzen der Nazi-Zebras, dieses fauchende Vieren und ihre deformierten aber sehnig harten Körper. Die Schönheit meiner strahlenden Träume erhellt den Raum, ich fühle mich sicher und greife nach ihnen. In dem Moment zerfetzt ein monumentales Geräusch die Illusion. Ein fiebriges Piepen begleitet das Massaker, das ich selbst an meinen Träumen begehe, denn alles nachdem ich greife verbrennt in übertrieben animierten Flammen.-

